- Ansgar Brinkmann war fast 20 Jahre als Fußball-Profi tätig, durchlebte eine
Karriere mit Höhen und Tiefen und war auch abseits des Platzes eine schillernde
Persönlichkeit. Im Interview mit Timo Strömer blickt der weiße Brasilianer auf
seine Laufbahn zurück, spricht über echte Typen in der Bundesliga und verrät,
warum er jetzt gerne Trainer werden möchte.
Transfermarkt.de:
Herr Brinkmann, man nennt Sie den weißen Brasilianer, wie kam es zu diesem
Spitznamen? Ansgar
Brinkmann: Den Namen habe ich Rolf Schafstall, damals mein Trainer beim VfL
Osnabrück, zu verdanken. Er hat mal gesagt: „Der Ansgar spielt nicht typisch
deutsch, der spielt mit sehr viel Risiko. Er spielt eigentlich eher wie ein
Brasilianer.“ Seitdem wird der Name öfter mal verwendet. Transfermarkt.de:
Fühlen Sie sich noch immer geschmeichelt wenn Sie so genannt werden oder ist
Ihnen das „wumpe“? Ansgar
Brinkmann: Daran kann man nichts Negatives finden, im Gegenteil. Man freut
sich darüber. Transfermarkt.de:
Bernd Schneider, der seine aktive Karriere vor kurzem beendet hat, wird jetzt
auch der weiße Brasilianer genannt. Stört Sie das oder kann es zwei weiße
Brasilianer geben? Ansgar
Brinkmann: Es kann auch zwei geben, keine Frage. Bernd Schneider wurde mal
bei der Pressekonferenz einer Weltmeisterschaft als der weiße Brasilianer
bezeichnet, da hat er gesagt: „Der weiße Brasilianer ist mein Freund, der Ansgar
Brinkmann.“ Aber ich muss dazu sagen, dass zwischen der Karriere von Bernd
Schneider und meiner Welten liegen. Für mich ist Bernd der weiße
Brasilianer. Transfermarkt.de:Ein
andere Spitzname von Ihnen ist Wandervogel. Sie wechselten in 20 Jahren 14 mal
den Verein. Warum wurden Sie nie so richtig sesshaft? Ansgar
Brinkmann: Die Zeiten von Uwe Seeler sind vorbei. Und mir hat es Spaß
gemacht, in mehreren Vereinen zu spielen. Transfermarkt.de:
Wo hatten sie rückblickend Ihre beste Zeit? Ansgar
Brinkmann: Ich habe in Frankfurt, Osnabrück oder auch Dresden ehrliche
Arbeit abgeliefert. Überall wo ich war, habe ich auch für den Respekt Fußball
gespielt, nicht nur für Zahlen. Wenn ich heute mal wieder vor Ort bin und die
Leute sich freuen, dann denk ich immer, das war schon alles gut so. Transfermarkt.de:
Aber gab es denn nicht die Möglichkeit, länger für einen Verein zu spielen?
Ansgar
Brinkmann: Dafür hätte ich wohl diplomatischer sein müssen und das entsprach
zu dem Zeitpunkt wohl nicht meinem Charakter. Transfermarkt.de:
Sie haben es bereits angedeutet. Sie waren stets für Eskapaden außerhalb des
Platzes berüchtigt. Haben Sie sich für die ganz große Karriere zu oft selbst im
Weg gestanden? Ansgar
Brinkmann: Ich denke schon. 50 Bundesliga-Spiele wären mir lieber als 50
Anekdoten, keine Frage. Aber wir können das Rad der Zeit nicht zurück drehen. Es
ist alles gut so, wie es ist. Transfermarkt.de:
Welche Ihrer „Sünden“ zaubert Ihnen denn heute noch ein Lächeln ins Gesicht?
Ansgar
Brinkmann: Das muss ich mal kurz blättern, da gibt es einiges. Es waren
viele Sachen dabei. Unter Winfried Schäfer habe ich mich zu meiner Zeit bei TeBe
Berlin mal selbst eingewechselt. Der Blick von „Winnie“ Schäfer war nicht
schlecht, muss ich sagen. Transfermarkt.de:
Erzählen Sie mal, wie kam es dazu? Ansgar
Brinkmann: Das ist ganz simpel erklärt. Ich saß auf der Bank neben Sergei
Kiriakov und Francis Copado. Wir haben uns das Spiel angeguckt und waren alle
der Meinung, dass es nicht so gut läuft. Dann sagte ich zum Linienrichter:
„Auszubildender, wir wechseln gleich.“ Das hat er dann tatsächlich gemacht. Er
hat dann wirklich die Fahne hoch gehoben und sein okay gegeben. Ich stand dann
da ohne mich warm gemacht zu haben. Ich kam direkt von der Bank. Der „Winnie“
hätte ja sagen können: „Setz Dich wieder hin Du Depp.“ Hat er aber nicht
gemacht, er hat mich rein gebracht, was uns alle verwundert hat. Ich war dann im
Spiel, gebracht hat es aber auch nicht mehr viel. Transfermarkt.de:
Wie hat „Winnie“ Schäfer später darauf reagiert. Gab es noch Ärger für die
eigenwillige Aktion? Ansgar
Brinkmann: Nein wir haben unseren Spaß damit gehabt. Er hätte mich ja nicht
bringen müssen, er hat es getan. Wahrscheinlich war er einfach sehr perplex.
Aber der „Winnie“ war öfter mal durcheinander. Transfermarkt.de:
Warum? Ansgar
Brinkmann: Er war ein guter Trainer, keine Frage. In Karlsruhe hat er einen
Top-Job gemacht, in Stuttgart weniger. Wir hatten auch unseren Spaß bei TeBe mit
dem „Winnie“. Der Aufstieg sollte halt nicht sein, aber er hat menschlich wie
sportlich Großes geleistet. Transfermarkt.de:
Was bereuen Sie heute, was würden Sie anders machen? Ansgar
Brinkmann: Gute Frage. Mit den Erfahrungswerten von heute, würde ich als
19-Jähriger diplomatischer arbeiten. Ich würde das Wesentliche mehr im Blick
haben. Wenn ich das gemacht hätte, wäre ich wahrscheinlich früher in die
Bundesliga gekommen und nicht erst mit 27. Transfermarkt.de:
Ihre Karriere endete im März 2009 mit dem Abschiedsspiel in Bielefeld, der
emotionalste Moment ihrer Karriere? Ansgar
Brinkmann: Das war schon ein sehr emotionaler Moment, weil ich viele
Wegbegleiter einladen konnte. 20 Jahre Fußball hinterlässt ja doch Spuren. Es
waren viele Trainer dabei, viele ehemalige Mitspieler. Aber es gab Punktspiele,
die noch emotionaler für mich waren. Transfermarkt.de:
Zum Beispiel? Ansgar
Brinkmann: Frankfurt gegen Kaiserslautern. Ein 5:1 im Abstiegskampf. Oder
Aufstiegsspiele in die 2. Liga oder in die 1. Bundesliga. Transfermarkt.de:
Blicken wir auf die Gegenwart. Was machen Sie derzeit? Ansgar
Brinkmann: Die letzte Zeit war sehr lehrreich für mich. Ich war als Scout in
Deutschland, den Beneluxländern, Mexiko und Brasilien unterwegs. Ich habe viele
Spiele gesehen, das war sehr lehrreich. Ich habe meine B-Lizenz gemacht, mache
jetzt die A-Lizenz und konzentriere mich auf die nächsten Aufgaben. Transfermarkt.de:
Die da wären? Ansgar
Brinkmann: Die Arbeit als Scout macht mir unheimlich viel Spaß, aber mein
Ziel ist es, eine Mannschaft zu trainieren. Ich möchte Trainer sein. Transfermarkt.de:
Wenn der Trainer Brinkmann einen Spieler wie Brinkmann vor sich hat, knallt es
dann so richtig? Ansgar
Brinkmann: Wenn jemand schwierig ist, aber Leistung bringt, ist das für mich
okay. Wenn jemand ein Egoist ist, braucht das natürlich kein Mensch. Alles was
er hat, muss er der Mannschaft geben. Wenn der Spieler das macht, werde ich mit
ihm klar kommen. Transfermarkt.de:
Fehlen dem Fußball heute solche Typen wie der Spieler Ansgar Brinkmann? Ansgar
Brinkmann: Ich höre das oft. Aber ich denke, dass auch diese Generation
Typen hat. Da wird sich bestimmt noch der eine oder andere heraus
kristallisieren, der sich durchsetzt, seinen eigenen Weg geht und sich nicht nur
fernsteuern lässt. Da bin ich mir sicher Transfermarkt.de:
Wer könnte diese Rolle ausfüllen? Ansgar
Brinkmann: Bevor wir wieder einen Stefan Effenberg bekommen, kann das noch
ein bisschen dauern. Oder einen Mario Basler oder einen Lothar Matthäus. Das
sind ganz große Lichter gewesen im deutschen Fußball. Die sehe ich im Moment
noch nicht. Aber es gibt einige, die auf einem guten Weg sind. Marko Marin und
Mesut Özil sind auf einem top Weg. Jermaine Jones ist ein bisschen rebellisch,
wird deswegen aber auch gleich wieder gebremst. Man muss heute als Fußball-Profi
schon vorsichtig sein. Transfermarkt.de:
Was würden Sie Jermaine Jones raten? Ansgar
Brinkmann: Ich sehe seine Entwicklung positiv. Wenn er Leistung bringt, dann
darf er auch den Mund aufmachen. Es muss nur das Verhältnis stimmen. Wenn jemand
keine Leistung bringt, dann gibt es Probleme im Umfeld und in der Mannschaft,
weil der Respekt weg ist. Aber wenn man Leistung bringt, finden einen alle gut.
Die Medien, die Fans, die Sponsoren, die Mitspieler, der Trainer. Wenn man
Leistung bringt, ist alles okay. Aber die sollte dazu gehören. Das war beim
Effenberg in der Vergangenheit zu 99 Prozent der Fall. Transfermarkt.de:
Was zeichnet den Typen Brinkmann mit 40 Jahren aus? Ansgar
Brinkmann: Heute bin ich gelassener und ruhiger. Man zählt erstmal bis Zehn.
Man will noch was erreichen, man muss da konstruktiv denken. Als Spieler steht
man auf dem Platz, ist voller Emotionen und will gewinnen. Das ist eine ganz
andere Situation. Mit den Erfahrungswerten von heute, wäre ich wohl wesentlich
weiter gekommen. Transfermarkt.de:
Ganz ruhig sind Sie dann aber doch nicht. Sie fahren Autorennen? Ansgar
Brinkmann: Ja. Ich habe von Volkswagen eine Einladung bekommen. Der Kontakt
besteht schon länger, auch weil ich für VW mal im Rahmen der
Egidius-Braun-Stiftung in Mexiko war, um Kindern zu helfen, denen es nicht so
gut geht. Ich bin gegen den Handballer Frank von Behren ein kleines Rennen
gefahren und es hat riesig Spaß gemacht. Das sind Erfahrungswerte, die man ja
sonst nicht so hat. Da kann man mal hinter die Kulissen gucken und schauen wie
das so abläuft. Transfermarkt.de:
Und wie haben Sie sich geschlagen? Ansgar
Brinkmann: Das war schon ganz okay. Das ist ja erstmal Neuland, mit den
Rennern rumzufahren. Aber es hat richtig Spaß gemacht. Transfermarkt.de:
Für diesen Karrierezweig und auch für alle anderen Vorhaben wünschen wir Ihnen
alles Gute. Vielen Dank für das Gespräch
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